Betriebliches Gesundheitsmanagement: Ein Gewinn für beide Seiten

Startseite / Betriebliches Gesundheitsmanagement / Betriebliches Gesundheitsmanagement: Ein Gewinn für beide Seiten
Betriebliches Gesundheitsmanagement: Ein Gewinn für beide Seiten

Gesundheit ist das Wichtigste im Leben – darüber sind sich die meisten einig. Das Gesundheitsbewusstsein ist heute ein ganz anderes als noch vor 20 Jahren; die Menschen machen sich immer deutlicher bewusst, wie wichtig es ist, den Körper gesund und fit zu halten. Bereits der römische Dichter Juvenal wusste: „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“. Das kann heute vielfach wissenschaftlich belegt werden. Ein Beispiel: Eine großangelegte Studie der Universität Göteborg mit rund 1,2 Millionen jungen Soldaten belegte, dass eine gute Körper-Fitness mit einem erhöhten IQ einhergeht. Da die meisten Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz allerdings kaum die Möglichkeit haben, sich in einem derart großen Maß körperlich zu betätigen, wurde das Konzept des betrieblichen Gesundheitsmanagements entwickelt. Dieses bietet sowohl auf Seiten der Arbeitnehmer als auch den Arbeitgebern zahlreiche Vorteile. Zunächst zur Definition: Die Expertenkommission 2004 definiert den Begriff betriebliches Gesundheitsmanagement als das „systematische und nachhaltige Bemühen um die gesundheitsförderliche Gestaltung von Strukturen und Prozessen und um die gesundheitsförderliche Befähigung der Beschäftigten“. Arbeitsschutz und Mitarbeitermotivation sind zentrale Ziele. Dazu zählen beispielsweise die Förderung der Rückengesundheit im Betrieb, eine gesundheitsfördernde und ergonomische Büroausstattung, eine gesunde Ernährung in der Firma, die Wiedereingliederung nach Krankheitsfällen (zum Beispiel durch ein Krankenrückführgespräch), die Möglichkeit zur Firmen-Fitness und vieles mehr. Die Vorteile für Arbeitnehmer liegen dabei auf der Hand: die persönliche Gesundheit wird gefördert und verbessert. Arbeitgeber profitieren aber ebenfalls erheblich davon. Motivierte und gesunde Mitarbeiter bilden die beste Grundlage für ein erfolgreiches Unternehmen, weshalb immer mehr Führungskräfte entsprechende Angebote wahrnehmen.

Rückengesundheit im Betrieb

Rückenleiden führen die Liste der am häufigsten auftretenden Zivilisationskrankheiten an, und sie sind größtenteils der Büroarbeit geschuldet. Eine falsche Haltung und das dauerhafte Sitzen am Computer, der oft auch noch auf der falschen Höhe steht, führen auf lange Sicht in vielen Fällen zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen. Hierfür bietet das Betriebliche Gesundheitsmanagement verschiedene Möglichkeiten für Prävention und auch die Besserung bereits vorhandener Beschwerden. Dabei sollte zunächst auf einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz geachtet werden. Der Bürostuhl trägt bestenfalls das Prüfsiegel „Ergonomie geprüft“ des TÜV Rheinland oder ein Gütesiegel des AGR (Aktion Gesunder Rücken). Sowohl die Sitzfläche als auch die Rückenlehne sollten verstellbar und dem „Sitzer“ individuell angepasst werden können. Ergänzend dazu sollte der Schreibtisch über eine ausreichend große Arbeitsfläche verfügen und höhenregulierbar sein. Optimal ist ein ergänzender Steharbeitsplatz, sodass je nach Bedarf von einer sitzenden in eine stehende Arbeitsposition gewechselt werden kann. Verschiedene Gesundheitsdienstleister bieten entsprechende Materialien an.

Rückenschulen werden in Form von Kursen und Seminaren angeboten und zeigen auf, wie die Rückengesundheit im Betrieb gestärkt werden kann. Dabei kann entweder auf Coaches oder auf spezielle Angebote von Fitnessstudios zurückgegriffen werden. Eine weitere, alternative Methode um Haltungsschäden vorzubeugen und zu korrigieren ist die Ismakogie. Dabei werden in Seminaren Übungen erlernt, die in alltäglichen Situationen wie am Arbeitsplatz angewandt werden können und den Rücken, den Bewegungsapparat sowie die Fuß-, Knie- und Hüftgelenke stärken. Diese alternative Methode steigert das körperliche und seelische Wohlbefinden und ist für jedes Alter sowie Personen jedes Gesundheitszustands anwendbar.

Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz

betriebliches GesundheitsmanagementBeim Thema „Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz“, eingebettet in das betriebliche Gesundheitsmanagement, wird zwischen allgemeinen und individuellen Gesundheitsmaßnahmen unterschieden. Zu den allgemeinen Gesundheitsmaßnahmen gehören zum Beispiel die Umstellung des Kantinenessens auf gesündere Gerichte sowie das Anbieten von frischem Obst und Wasser. Auch Informationsvorträge und Fachseminare, an denen alle Mitarbeiter teilnehmen, fallen in diese Kategorie. Verschiedene Studien zum Thema Gesunde Ernährung haben allerdings ergeben, dass individuelle Gesundheitsmaßnahmen wesentlich effektiver sind und auch bei den Arbeitnehmern auf ein höheres Ansehen stoßen. Dabei werden Genetik, Vorerkrankungen und auch persönliche Vorlieben und Abneigungen berücksichtigt und eine auf jeden Arbeitnehmer angepasste Beratung durchgeführt. Wichtig für Arbeitgeber ist dabei, dass die Ernährungsumstellung von den Arbeitnehmern nicht als Qualitätsverlust, sondern als Gewinn gesehen wird. Die Verwendung regionaler Produkte sowie stetige Abwechslung lassen das Ansehen der Firma in den Augen der Mitarbeiter steigen und sie im Konkurrenzvergleich hervorstechen.

Formen der Mitarbeitermotivation

Neben der Gesundheit spielt auch die Motivation der Mitarbeiter eine wichtige Rolle, um ein Unternehmen attraktiv zu gestalten. Ein wichtiger Unterpunkt ist hierbei die Achtsamkeit in der Führung, die bei einem Coaching von Führungskräften erlernt werden kann und sich belegbar positiv auf das Betriebsklima auswirkt. Daneben streben viele Arbeitgeber das Prinzip KVP, das für Kontinuierlicher Verbesserungsprozess steht, an. Es handelt sich dabei um eine bestimmte Denkhaltung, die zur Verbesserung der eigenen Person und der dadurch stetigen Entwicklung des Unternehmens übernommen wird. Angelehnt ist der KVP an die japanische Kaizen-Methode und das Prinzip des Lean Managements. Auch hierbei steht die Mitarbeitermotivation im Vordergrund.

Betriebliche Gesundheitsförderung und Firmen-Fitness

betriebliches GesundheitsmanagementDie betriebliche Gesundheitsförderung ist ein Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sie teilt sich in die Ansätze der Pathogenese und der Salutogenese auf. Die Pathogenese spielt zielgerichtet auf die Krankheitsvermeidung an, während die Salutogenese diesen Ansatz auffasst und darüber hinaus die Gesundheit zusätzlich fördern und damit das physische und psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter steigern soll. Essenziell ist hierbei, dass die Mitarbeiter in die Entwicklungsprozesse eingebunden sind und sich auch selbst einbringen können.
Ein Beispiel dafür ist die Firmen-Fitness, die in der Regel von außenstehenden Gesundheitsdienstleistern erbracht wird. Fitnessstudios beispielsweise können ihre Geräte zur Verfügung stellen und Firmenrabatte gewähren. Solche Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung werden in unterschiedlicher Intensität auch von den Krankenkassen gefördert.
Ein weiteres Thema, das hier zur Sprache kommt, ist das betriebliche Wiedereingliederungsmanagement nach Krankheitsausfällen. Dazu gehören unter anderem Krankenrückführgespräche.

Ausbildung im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement

Beruflich betrachtet gibt es im Bereich betriebliches Gesundheitsmanagement die Möglichkeit, eine Ausbildung zum betrieblichen Gesundheitsmanager zu machen oder zunächst den Studiengang betriebliches Gesundheitsmanagement zu belegen. Bei der Ausbildung zum betrieblichen Gesundheitsmanager stehen die Themenschwerpunkte Krankheitsvorbeugung, demografische Entwicklung, Gesundheitspolitik, Arbeitspsychologie und der Gesundheitsmarkt im Vordergrund.
Das Studium betriebliches Gesundheitsmanagement wird von verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen angeboten und zielt auf die Studienabschlüsse Bachelor und Master ab. Zusätzlich zu den Themen, die in der Ausbildung zum betrieblichen Gesundheitsmanager abgehandelt werden, fokussieren sich die Studenten hier auf die Schwerpunkte Gesundheitsökonomie, Health Management, Angewandte Gesundheitswissenschaften, Controlling und betriebliches Eingliederungsmanagement.

Red.: LLL/SR

[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]